Veröffentlicht in Aus den Nachrichten, Fundstücke

"Wrestling-Sensation": Darf die BILD das!?

Seit einiger Zeit berichtet die BILD online über Wrestling. Oder sagen wir mal, sie berichten verstärkt über das Geschehen in der WWE. Hierzu gehört auch eine BILD-Wrestling Seite auf Facebook, über die ich heute auf einen BILDblog Artikel aufmerksam wurde.

Wenn man diesen Artikel zusammenfassen möchte, dann wirft der BILDblog der BILD vor, dass sie das Ergebnis eines Kampfes als „Sensation“ betiteln, obwohl es ja bekanntlich eine abgesprochene Sache ist.

goldberg brock lesnar bildblog sensationWer das Geschehen ein wenig verfolgt, der ahnt schon, dass es um das Ergebnis aus dem Kampf zwischen Brock Lesnar und Goldberg bei den Survivor Series am letzten Wochenende geht. Da ich seit rund 25 Jahren das Wrestling-Geschehen mehr oder weniger (meistens weniger) verfolge, mich als Blogger auch ein wenig mit der Schreiberei beschäftige und grundsätzlich sowieso zu (fast) allem eine Meinung habe, muss ich mir das mal genauer anschauen.

Darf die BILD den Ausgang des Kampfes nun als „Wrestling-Sensation“ bezeichnen, oder nicht?
Der wesentliche Vorwurf kritisiert, dass die BILD ein ernstzunehmendes Nachrichtenportal sein soll und deswegen nicht in dieser Art und Weise über Wrestling berichten sollte.

Natürlich war der Kampf im Ablauf und Ergebnis eine Sensation im Wrestling. Nachdem Brock Lesnar über Jahre hinweg als extrem dominant und nahezu unbesiegbar dargestellt wurde, konnte man mit viel Phantasie zwar einen Sieg Goldbergs in Betracht ziehen, aber wohl eher nicht in dieser Art und Weise.
Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Auftritt Goldbergs bis unmittelbar vor der Veranstaltung noch als einmalige Angelegenheit, im wesentlichen um ein Computerspiel zu promoten, angesehen wurde, konnte man zwar gespannt auf den Ausgang sein – aber dieses Ende eben nicht realistisch vorhersehen.
Also ja, es war eine Wrestling-Sensation und selbstverständlich darf die BILD es dann auch so schreiben.

Noch unsinniger ist der Vergleich mit einem Theaterbesuch, den der Autor des Artikels aufführt. Demnach hätte der Artikel von BILD-Reporter Enrico Ahlig Ähnlichkeiten mit der Nachricht „Oh Gott, oh Gott, Ihr glaubt es nicht! Da haben sich gerade zwei junge Menschen das Leben genommen.“ im WhatsApp Familienchat – wohl nach einer Aufführung von Romeo und Julia (…spekuliere ich nun einfach mal).
Nun, das Ende von Theateraufführungen, besonders wenn es sich um so bekannte Werke handelt, sollte in der Regel bekannt sein. Das Ergebnis des inszenierten und choreographierten Kampfes zwischen Lesnar und Goldberg war es jedoch nicht.

Weiter wurde kritisiert, dass Ahlig im Artikel eine längerfristige Zusammenarbeit der WWE und Goldberg als Hintergrund vermutete. Der BILDblogger hätte es demnach lieber gesehen, er hätte geschrieben, der Veranstalter war heiß auf die damit verbundenen Schlagzeilen.
Und man möge es bitte entschuldigen, aber an dieser Stelle wird es mir wirklich zu dämlich!?
Selbstverständlich nimmt die WWE jegliches Medieninteresse aus PR-Gründen gerne mit. Müssen Journalisten neuerdings auch im Politik-Ressort schreiben, dass die Politiker nichts dagegen haben, wenn man sie wählt?
Und selbstverständlich war es in der Wrestling-Szene ein großes Thema, dass Goldberg tatsächlich für eine längerfristige Zusammenarbeit bereit war und, so heißt es, die WWE ihn erst sehr kurzfristig davon überzeugen konnte.
Das diese Entwicklung im Script der WWE berücksichtigt wurde, ist keine Sensation, sondern ein Zeichen dafür, wie spontan und kurzfristig dort Pläne geschmiedet und wieder geändert werden können. Aber für alle Außenstehenden, dazu gehört trotz alledem auch Enrico Ahlig und die BILD, war diese Entwicklung schlichtweg nicht wirklich absehbar. Man hätte es vermuten können. So wie Ahlig es eben auch im Artikel tat. Offiziell bekannt war es aber nicht.

Obwohl ich die Wrestling-Artikel von Enrico Ahlig häufig als „Hobby-Journalismus“ einstufen würde, sie sind echt in der Regel nicht gut geschrieben, so kann ich doch an der eigentlichen Ausrichtung absolut gar nichts kritisieren. Der BILDblog-Artikel weckt tatsächlich den Anschein, als würde sich dort jemand ein klein wenig mit Wrestling auskennen und wollte auch unbedingt etwas zu diesem Thema schreiben. Heraus kam dann eine Ansammlung unsinniger Vorwürfe. Kann mal passieren. Ist dann aber halt so richtig dumm gelaufen, wenn man sich selbst eher so als Vertreter des Qualitätsjournalismus sieht. Es sind dann doch eher wir Hobby-Blogger, die sich mal einen solchen Fehltritt erlauben dürfen. Allerdings hat man dann auch meistens den Mut, den Artikel einfach zu löschen und „Sorry“ zu sagen.

Bild: Screenshot www.bildblog.de

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