Veröffentlicht in Alltägliches, Aus den Nachrichten

Bewaffnete Studentin: Was bringt mir eine Schreckschuss-Waffe?

Vor einigen Tagen veröffentlichte eine Zeitung online einen Artikel über eine Studentin, die sich einen kleinen Waffenschein und einen Schreckschuss-Revolver anschaffte. Die Studentin vom Land fühlte sich damit in der großen Stadt so einfach sicherer.
Auf Facebook wurde sie dafür massiv kritisiert. Waffen gehen in Deutschland nämlich mal gar nicht! Wo kommen wir denn da hin?
Andere machten sich lustig über sie oder erklärten, das wäre vollkommener Unsinn.

1024px-357er_MagnumDie häufigsten Vorwürfe: bringt nichts, kann der Täter dann ja auch gegen Dich verwenden und soll sie doch gleich auf dem Land bleiben.

Aha.
Der erste Widerspruch dürfte schon mal logisch sein. Wenn eine Waffe doch nichts bringt, was bringt sie dann in den Händen meines Angreifers?
Und die Studentin sollte besser auf dem Land bleiben und somit auf ihre Chance einer guten Ausbildung verzichten?
Kennen wir das nicht aus den Ländern, aus denen gerade Hunderttausende und Millionen von Menschen flüchten?

Was bringt so ein Schreckschuss-Revolver denn nun wirklich?

Erst einmal ist ein Revolver für eine Anfängerin die beste Wahl. Während halbautomatische Pistolen im Idealfall gesichert und/oder nicht durchgeladen transportiert werden sollten, muss man sich mit diesen beiden Funktionen bei einem Revolver erst gar nicht beschäftigen.
Außerdem kommt es bei einer Pistole gelegentlich vor, dass nach dem ersten Schuss die ausgeworfene Hülse oder nachrückende Patrone den Schlitten versperrt, sie also quasi eine Ladehemmung hat, die man, besonders als Anfänger(in) nicht so schnell in einer Gefahrensituation beheben kann.

Den ersten Effekt, den eine solche Waffe in der Jackentasche hat, ist psychologischer Natur: man gewinnt an Selbstsicherheit.
Jeder vernünftige Psychologe wird bestätigen können, dass Täter sich instinktiv auf Menschen konzentrieren, bei denen sie die geringste Gegenwehr zu erwarten haben.
Deswegen ziehen Menschen, die bereits in ihrer Vergangenheit schon z.B. sexuell missbraucht wurden, auch weitere Täter unbewusst, fast magisch an: sie sind schon „gebrochen“ und strahlen das auch förmlich aus. Ohne es abwertend zu meinen: es sind „Opfermenschen“.
Ein Revolver in der Tasche ist wie ein ständig verfügbarer Notausgang, ein Plan B, eine Option. Selbst wenn ich in der Nacht Schritte hinter mir höre, ich könnte im Notfall immer noch…
Klar, da verändert sich im Idealfall die komplette Körpersprache, der Gang wird aufrecht und man hat viel eher den Mut, seinem potentiellen Angreifer die Grenzen aufzuzeigen. Und genau das will ein Täter ja nicht. Es soll ein möglichst leichtes Ziel sein.

Aber was nützt der Revolver, wenn er denn nun wirklich zum Einsatz kommen soll?
Es ist auch hier vor allem eine psychologische Komponente. Ein Angriff soll schnell, heimlich, leise und ohne Gegenwehr ablaufen. Zieht das blonde Püppchen plötzlich eine 9mm aus der Manteltasche, rechnet der Angreifer wahrscheinlich erst einmal nicht damit. In dieser Schrecksekunde können sich nicht nur Möglichkeiten der Flucht ergeben, es könnte unter Umständen auch der komplette Angriff verworfen werden.
Als nächstes hätten wir natürlich den Schuss. Der ist laut und erweckt, je nach Umgebung, Aufmerksamkeit. Nichts, was ein Täter in dieser Situation möchte.
Als dritte Option besteht natürlich noch der Schuss aus der Nähe. Zum Beispiel auf die Augen oder in der Nähe der Ohren des Angreifers. Während die Augen natürlich starke Folgeschäden abbekommen könnten (…was mir im Kampf um mein Leben aber erst einmal nicht wichtig sein wird…), entsteht beim Ohr ein sogenanntes „Knalltrauma“ mit akuten Hörverlust. Auch das kann natürlich Folgeschäden beinhalten, aber es lenkt einen Angreifer auf jeden Fall ab. Idealerweise so lange, bis man flüchten kann.

Aber Achtung! Man sollte auch wissen, dass der massive Druck, der durch einen solchen Schuss entsteht, unter Umständen auch tödlich enden kann. So geschehen zum Beispiel bei einer 14jährigen Schülerin, die von einem 17jährigen die Pistole direkt auf den Hals gesetzt bekam, bevor er abdrückte. Auch direkt aufgesetzt Schüsse in den Unterleib können massive Schäden verursachen.
Wie man leicht erkennen kann: „hilft gar nichts, knallt ja nur“ …ist völliger Unsinn.

Ich denke es ist wichtig, dass man sich eines bewusst macht: wenn ich so eine Waffe habe und sie in einer akuten Gefahrensituation zur Hilfe nehme, muss ich auch den festen Willen haben, sie zu benutzen und darf nicht unnötig zögern. Hier zählt wirklich: wer A sagt, muss auch B sagen. Alles andere wäre tatsächlich kontraproduktiv und würde den Angreifer stärken.

Eine Garantie ist ein Schreckschuss-Revolver nicht! Aber es sind neue Optionen, die man mit ihm bekommt. Und wenn der pöbelnde Mob in den sozialen Netzwerken alles verdammt, was einer Waffe gleich kommt, dann sollen sie das für sich selbst so entscheiden. Aber diese Mischung aus Unwissenheit, Halbwissen und Vorurteilen, mit denen über die Person geurteilt wurde und wie sie der Lächerlichkeit preisgegeben wurde, ist nur ein Beispiel für die selbstgefällige Art und Weise, die leider immer häufiger „Schule“ macht.

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