Veröffentlicht in Alltägliches

Reisende soll man nicht aufhalten

Eine Familie hat zwei Hunde. Der Dackel darf am Abend auf dem Sofa liegen, der Pudel darf es nicht. Und sollte er es doch wagen auf die Sitzmöbel zu springen, wird er in die Küche gesperrt und muss dort allein auf den kalten Fliesen liegen.

Eine andere Familie mit zwei Kindern hat auch eigene Regeln. Während das Zimmer des einen Kindes regelmäßig von der Mutter aufgeräumt wird und der Nachwuchs in der Zeit mit der Spielekonsole spielen darf, muss das andere Kind diese Aufgaben selbst erledigen. Versäumt es seine Pflichten, gibt es Computer-Verbot oder Hausarrest.

Unfair, oder?

Im Nachbarort gibt es ein kleines Gelände, welches sich im Besitz der Gemeinde befindet. Früher gab es dort kleine Messen, mittlerweile eigentlich nur noch die jährliche Kirmes.
In der angrenzenden Wohnsiedlung wohnt ein Kraftfahrer. Wenn er am Abend seinen LKW auf dem Gelände abstellen möchte, um an anderen Morgen nicht erst die 30 Kilometer lange Fahrt durch den Berufsverkehr auf sich nehmen zu müssen, hat das regelmäßig Konsequenzen.

Zur Zeit befinden sich auf dem Gelände mehrere Wohnwagen. „Reisende“ werden sie in der lokalen Presse genannt. Bilder belegen, dass diese Leute ihre Haufen mitten auf dem Platz hinterlassen, gebrauchtes Toilettenpapier und anderer Müll liegt herum. Die Bürger beklagen sich über nächtlichen Lärm und über Autorennen, die auf der anliegenden Straße veranstaltet werden.
Aber es sind nicht nur die Bewohner der Wohnsiedlung, die darunter leiden müssen. Auch das Altenheim in etwa 50-100 Meter Luftlinie wird von der Belästigung nicht verschont.
Die Anwohner haben es sich eine gewisse Zeit mit angesehen, ehe sich sich an die Gemeinde und an die Polizei wandten.
Das Ergebnis? Es liegt kein Verstoß vor und deswegen schreite man auch nicht ein.
Man kann sich an zwei Fingern abzählen, dass das vollkommener Unsinn ist. Offenbar ist die unrechtmäßige Nutzung des Geländes ja unerwünscht. Sonst könnte der Kraftfahrer seinen LKW ja dort mal für ein paar Stunden abstellen.
Und ganz offensichtlich findet dort ja regelmäßig eine Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung, Belästigung der Allgemeinheit („Wildpinkeln“) und in der Nacht wohl auch noch eine Gefährdung im öffentlichen Straßenverkehr statt.
Es wird aber abgelehnt, irgendwie tätig zu werden. Und machen wir uns nichts vor, es ist schlichtweg die Angst, die Gemeinde und Polizei davon abhält, zumindest einen Platzverweis auszusprechen.
Die 20-30 Personen könnten ja mit den Fäusten antworten. Und wenn man vorsichtshalber mit einem größeren Polizeiaufgebot anrückt, würde man eventuell schlechte Presse riskieren.
Also versucht man es typisch deutscher Art und Weise: Kopf einziehen und Schnauze halten, es wird schon von alleine weggehen.

Im Endeffekt behandelt man die Bürger also wie den Hund oder das Kind aus obigen Beispielen. Das ist nicht nur unfair, sondern schürt auch den Hass. Und dann wundert man sich, wenn der mal irgendwann überkocht und eskaliert?

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